Architekten

  • Jack Nicklaus

Unsere Bewertung

Platzdesign

Landschaft

Great Northern ist nicht nur die unangefochtene Nr. 1 in Dänemark, sondern auch ein Platz, der architektonisch europa- und weltweit Maßstäbe setzt – nomen est omen.

Architekt und Kontext

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Jack Nicklaus ist mit 18 Major-Siegen nicht nur der erfolgreichste Spieler aller Zeiten, sondern auch der erste Golfplatzarchitekt, der selbst zur Marke wurde. Pete Dye, selbst eine Ikone der Golfplatzarchitektur, schrieb im Vorwort von Nicklaus by Design (Harry N. Abrams, New York 2002):
„Nur Jack hat die Idee geboren, einen (Designer)-Namen mit einem Platz zu verknüpfen; erst danach begannen erfahrene, pensionierte und sogar bereits verstorbene Designer, die ihnen gebührende Anerkennung zu erhalten.“ 

Erst durch den Erfolg von Nicklaus begannen Clubs weltweit, die Namen ihrer Architekten offensiv zu kommunizieren. Ein bekanntes Beispiel ist Pinehurst, wo später Hinweisschilder angebracht wurden, die auf Donald Ross als Architekten der legendären No. 2 verweisen.

Kritik an sich ähnelnden Designelementen auf Nicklaus-Plätzen ist nicht neu und grundsätzlich nicht falsch. Jeder Architekt hat eine Handschrift. Vergleicht man etwa den London Golf Club mit dem Gut Lärchenhof bei Köln, erkennt man einige Parallelen. Great Northern jedoch hebt sich deutlich ab. In Kerteminde auf der Ostseite Fünens ist ein Projekt entstanden, das in dieser Form außergewöhnlich ist.

Auftraggeber und Anlage

Wie viel gestalterische Freiheit Thomas Kirk Kristiansen, Chairman der LEGO Group, Jack Nicklaus bei diesem Projekt eingeräumt hat, lässt sich nur vermuten. Angesichts der wirtschaftlichen Möglichkeiten dürfte das Budget jedenfalls nicht der limitierende Faktor gewesen sein. Herausgekommen ist ein Golfplatz der Spitzenklasse, ergänzt durch ein hervorragend durchdachtes Hotel und ein stimmiges Restaurant im skandinavischen Design. Besonders die Stay-and-Play-Angebote sind sehr zu empfehlen.

Wir besuchten Great Northern im August 2024 im Rahmen einer Reise, die uns zuvor bereits nach Silkeborg und Lübker geführt hatte. Trotz des dort bereits erlebten hohen Niveaus setzte Great Northern noch einmal deutlich einen drauf.

Einziger echter Wermutstropfen ist das lieblose Yardage Book. Wichtige Entfernungsangaben – etwa zum Grünanfang auf Par-3-Löchern oder zu Wasserhindernissen – fehlen vollständig. Für Gäste ohne Platzkenntnis ist das unbefriedigend.

Stil und Anspruch

In Skandinavien steht Understatement meist höher im Kurs als Prunk. Dennoch könnten manche skandinavischen Golfer die Perfektion in Great Northern fast schon als „too much“ empfinden. Im Vergleich zu opulenten Clubhäusern anderer Spitzenclubs – etwa dem Kapitol-ähnlichen Bau in Stoke Park – bleibt die Anlage in Kerteminde jedoch bewusst zurückhaltend. Es geht nicht um Selbstdarstellung, sondern um konsequent umgesetzte Qualität und Detailarbeit.

Platzverlauf und Routing

Die Runde beginnt leicht bergauf. Bereits Loch 1 erinnert mit seinen Konturen und der strategischen Ausrichtung an Whistling Straits. Und tatsächlich: Wie in Wisconsin wurde hier enorm viel Erdreich bewegt, um Höhenunterschiede und Geländeformen zu modellieren.

Nicklaus’ Design folgt einer klaren Maxime: Gute Schläge werden belohnt, schlechte nicht bestraft, sondern lediglich schwieriger. Die Landezonen für Longhitter sind häufig großzügig und profitieren von abfallenden Fairways, bleiben aber durch intelligent platzierte Fairwaybunker stets anspruchsvoll.

Einzelne Bahnen und Highlights

Schon auf Bahn 2 wird deutlich, dass Risk-and-Reward-Elemente eine zentrale Rolle spielen. Ein Wasserhindernis erfordert rund 250 Meter Carry, um den rechten Fairwaybunker zu überspielen. Für die meisten Spieler bleibt nur die defensivere linke Landezone. Auch der zweite Schlag verlangt Präzision, um eine gute Position für das erhöhte Grün zu erreichen.

Loch 3 ist ein visuelles Highlight: Eine markante Bunkerlandschaft links vom stark modellierten Grün sammelt gnadenlos gepullte Bälle ein. Gleichzeitig eröffnet sich von hier ein weiter Blick über die Anlage.

Ab Loch 4 geht es entlang eines Sees ins Tal. Die Bahnen 5 und 6 erinnern mit ihren ins Wasser hineinragenden Grüns an die berühmte „Bear Trap“ im PGA National. Besonders spektakulär ist der Drive auf der 6 über den See auf ein schmales Fairway, bei dem ein Directional Bunker in rund 272 Metern Entfernung die Ideallinie vorgibt.

Ein weiteres Highlight folgt auf Bahn 9: Ein Halbinselgrün vor der Kulisse des Clubhauses, das unweigerlich Assoziationen zu TPC Sawgrass weckt – inklusive Brücke, die hier sogar noch eleganter gestaltet ist.

Zweite Neun und Schlussloch

Die zweiten Neun führen zunächst wieder bergauf, bevor es ab Bahn 14 allmählich zurück ins Tal geht. Bahn 15 beeindruckt mit einem gestuften Wasserlauf und sehr durchdachter Linienführung. Auch die Bahnen 16 und 17 nutzen den begleitenden Wasserkanal clever zur strategischen Zuspitzung.

Der Höhepunkt ist das Schlussloch: ein Par 5 mit ikonischem Inselgrün. Die Schläge erfordern klares strategisches Denken, insbesondere der letzte Schlag aufs Grün, der von der Restaurantterrasse aus bestens zu verfolgen ist.

Gesamtbewertung

Unterm Strich ist Great Northern ohne Einschränkung als Nr. 1 in Dänemark zu bewerten und gehört zu den besten Golfplätzen Europas. Architektonisch ist er aus unserer Sicht sogar stärker als der ebenfalls sehr geschätzte Nicklaus-Platz Monte Rei in Portugal. Mitte August 2026 kann man während der TV Übertragung des Danish Golf Championship der DPWorld Tour die Qualitäten des Platzes genießen, die auch für Profi-Turniere eine dramatische Spannung erzeugen werden.

Great Northern ist nicht nur die unangefochtene Nr. 1 in Dänemark, sondern auch ein Platz, der architektonisch europa- und weltweit Maßstäbe setzt – nomen est omen.

Architekt und Kontext

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Jack Nicklaus ist mit 18 Major-Siegen nicht nur der erfolgreichste Spieler aller Zeiten, sondern auch der erste Golfplatzarchitekt, der selbst zur Marke wurde. Pete Dye, selbst eine Ikone der Golfplatzarchitektur, schrieb im Vorwort von Nicklaus by Design (Harry N. Abrams, New York 2002):
„Nur Jack hat die Idee geboren, einen (Designer)-Namen mit einem Platz zu verknüpfen; erst danach begannen erfahrene, pensionierte und sogar bereits verstorbene Designer, die ihnen gebührende Anerkennung zu erhalten.“ 

Erst durch den Erfolg von Nicklaus begannen Clubs weltweit, die Namen ihrer Architekten offensiv zu kommunizieren. Ein bekanntes Beispiel ist Pinehurst, wo später Hinweisschilder angebracht wurden, die auf Donald Ross als Architekten der legendären No. 2 verweisen.

Kritik an sich ähnelnden Designelementen auf Nicklaus-Plätzen ist nicht neu und grundsätzlich nicht falsch. Jeder Architekt hat eine Handschrift. Vergleicht man etwa den London Golf Club mit dem Gut Lärchenhof bei Köln, erkennt man einige Parallelen. Great Northern jedoch hebt sich deutlich ab. In Kerteminde auf der Ostseite Fünens ist ein Projekt entstanden, das in dieser Form außergewöhnlich ist.

Auftraggeber und Anlage

Wie viel gestalterische Freiheit Thomas Kirk Kristiansen, Chairman der LEGO Group, Jack Nicklaus bei diesem Projekt eingeräumt hat, lässt sich nur vermuten. Angesichts der wirtschaftlichen Möglichkeiten dürfte das Budget jedenfalls nicht der limitierende Faktor gewesen sein. Herausgekommen ist ein Golfplatz der Spitzenklasse, ergänzt durch ein hervorragend durchdachtes Hotel und ein stimmiges Restaurant im skandinavischen Design. Besonders die Stay-and-Play-Angebote sind sehr zu empfehlen.

Wir besuchten Great Northern im August 2024 im Rahmen einer Reise, die uns zuvor bereits nach Silkeborg und Lübker geführt hatte. Trotz des dort bereits erlebten hohen Niveaus setzte Great Northern noch einmal deutlich einen drauf.

Einziger echter Wermutstropfen ist das lieblose Yardage Book. Wichtige Entfernungsangaben – etwa zum Grünanfang auf Par-3-Löchern oder zu Wasserhindernissen – fehlen vollständig. Für Gäste ohne Platzkenntnis ist das unbefriedigend.

Stil und Anspruch

In Skandinavien steht Understatement meist höher im Kurs als Prunk. Dennoch könnten manche skandinavischen Golfer die Perfektion in Great Northern fast schon als „too much“ empfinden. Im Vergleich zu opulenten Clubhäusern anderer Spitzenclubs – etwa dem Kapitol-ähnlichen Bau in Stoke Park – bleibt die Anlage in Kerteminde jedoch bewusst zurückhaltend. Es geht nicht um Selbstdarstellung, sondern um konsequent umgesetzte Qualität und Detailarbeit.

Platzverlauf und Routing

Die Runde beginnt leicht bergauf. Bereits Loch 1 erinnert mit seinen Konturen und der strategischen Ausrichtung an Whistling Straits. Und tatsächlich: Wie in Wisconsin wurde hier enorm viel Erdreich bewegt, um Höhenunterschiede und Geländeformen zu modellieren.

Nicklaus’ Design folgt einer klaren Maxime: Gute Schläge werden belohnt, schlechte nicht bestraft, sondern lediglich schwieriger. Die Landezonen für Longhitter sind häufig großzügig und profitieren von abfallenden Fairways, bleiben aber durch intelligent platzierte Fairwaybunker stets anspruchsvoll.

Einzelne Bahnen und Highlights

Schon auf Bahn 2 wird deutlich, dass Risk-and-Reward-Elemente eine zentrale Rolle spielen. Ein Wasserhindernis erfordert rund 250 Meter Carry, um den rechten Fairwaybunker zu überspielen. Für die meisten Spieler bleibt nur die defensivere linke Landezone. Auch der zweite Schlag verlangt Präzision, um eine gute Position für das erhöhte Grün zu erreichen.

Loch 3 ist ein visuelles Highlight: Eine markante Bunkerlandschaft links vom stark modellierten Grün sammelt gnadenlos gepullte Bälle ein. Gleichzeitig eröffnet sich von hier ein weiter Blick über die Anlage.

Ab Loch 4 geht es entlang eines Sees ins Tal. Die Bahnen 5 und 6 erinnern mit ihren ins Wasser hineinragenden Grüns an die berühmte „Bear Trap“ im PGA National. Besonders spektakulär ist der Drive auf der 6 über den See auf ein schmales Fairway, bei dem ein Directional Bunker in rund 272 Metern Entfernung die Ideallinie vorgibt.

Ein weiteres Highlight folgt auf Bahn 9: Ein Halbinselgrün vor der Kulisse des Clubhauses, das unweigerlich Assoziationen zu TPC Sawgrass weckt – inklusive Brücke, die hier sogar noch eleganter gestaltet ist.

Zweite Neun und Schlussloch

Die zweiten Neun führen zunächst wieder bergauf, bevor es ab Bahn 14 allmählich zurück ins Tal geht. Bahn 15 beeindruckt mit einem gestuften Wasserlauf und sehr durchdachter Linienführung. Auch die Bahnen 16 und 17 nutzen den begleitenden Wasserkanal clever zur strategischen Zuspitzung.

Der Höhepunkt ist das Schlussloch: ein Par 5 mit ikonischem Inselgrün. Die Schläge erfordern klares strategisches Denken, insbesondere der letzte Schlag aufs Grün, der von der Restaurantterrasse aus bestens zu verfolgen ist.

Gesamtbewertung

Unterm Strich ist Great Northern ohne Einschränkung als Nr. 1 in Dänemark zu bewerten und gehört zu den besten Golfplätzen Europas. Architektonisch ist er aus unserer Sicht sogar stärker als der ebenfalls sehr geschätzte Nicklaus-Platz Monte Rei in Portugal. Mitte August 2026 kann man während der TV Übertragung des Danish Golf Championship der DPWorld Tour die Qualitäten des Platzes genießen, die auch für Profi-Turniere eine dramatische Spannung erzeugen werden.

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